Schlüssel zum Lernerfolg

Bedeutungsvolles Lernen ist der wichtigste Schlüssel zum Lernerfolg. In den letzten Jahren haben neurobiologische Forschungen mittels bildgebender Verfahren gezeigt, wie eng die Informationsaufnahme verknüpft ist mit emotionaler Bewertung durch das Limbische System. Solche Erkenntnisse kannst auch du dir für dein Lernen zunutze machen. Vorausgesetzt, du willst wirklich erfolgreicher lernen – oder lehren -, kann ich dir wertvolle Tipps und Tricks mit auf den Weg geben. Sie kombinieren wissenschaftliche Forschungsergebnisse mit meiner Erfahrung als Nachhilfelehrer.
Schlüssel zum Lernerfolg
Es hat sich immer wieder bestätigt, dass Lernen umso nachhaltiger und beglückender ist, je bedeutungsvoller der Lernstoff mit Vorwissen und den Erlebniskontexten verknüpft werden. Beides spielt bei der Bildung von mentalen Repräsentationen und Begriffsnetzwerken eine wichtige Rolle. Indem du mit der Zeit lernst, die jeweils effizientesten Lerntechniken miteinander zu kombinieren, lernst du das Lernen lernen. Wer zu lernen gelernt hat, ist auf dem besten Wege dahin, ein lebenslanger Lerner zu werden, was eine Schlüsselqualifikation in unserer gegenwärtigen globalisierten Welt ist.

Rolle der Umwelteinflüsse bei der Gehirnentwicklung
Es scheint eine Binsenweisheit, extra zu betonen, dass jeder von uns irgendwann einmal mit dem Lernen begonnen hat. Sofern man aber bedenkt, dass das Lernen nicht erst in der Schule beginnt, sondern bereits vor der Geburt, dann kommt folgender interessanter Aspekt des Lernens zum Vorschein:
Schlüssel zum Lernerfolg
Die Entwicklung der Lernfähigkeit des menschlichen Gehirns beginnt bereits vor der Geburt. Während dieser Zeit entwickeln sich die die Areale des Gehirns und die Grobvernetzung der Nervenzellen untereinander. Sowohl genetische Programme als auch Moleküle sind daran beteiligt, ein komplexes Netz zwischen den unterschiedlichen sich entwickelnden Gehirnarealen grundzulegen. Umweltreize, etwa die Stimme der Mutter, spielen noch eine untergeordnete, aber schon wichtige, Rolle. Die vorgeburtliche Entwicklung des Gehirns bildet die Grundlage für die außergewöhnliche Lernfähigkeit des Menschens.
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Sobald ein Mensch geboren worden ist, kommt er mit einer an Sinnesreizen reichen Umwelt in Kontakt. Das Neugeborene macht erste Erfahrungen, bei denen die emotionalen Erlebnisse besonders wichtig für die Konfigurierung des Limbischen Systems sind. Die Rolle des Limbischen Systems beim Lernen habe ich in einem anderen Artikel ausführlich erklärt. Das Verständnis der Funktionsweise dieser Struktur ist ein Schlüssel zum Lernerfolg.

Auf Basis der angeborenen Entwicklungsprogramme modelliert die soziale Umwelt die Feinvernetzung der für das Lernen benötigten Gehirnstrukturen. Mit zunehmenden Alter tritt die Bedeutung genetischer Programme in den Hintergrund und es nehmen die gemachten Erfahrungen an Bedeutung zu.
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Dabei haben Neurobiologen nachweisen können, dass eine unmittelbare Verbindung zwischen Umwelteinflüssen und Gehirnentwicklung in der frühen Kindheit besteht. Bei mangelnder Aktivierung durch die soziale Umwelt oder Unterversorgung kommt es vor allem im Präfrontalen Cortex und anderen Strukturen des Limbischen Systems, etwa dem anterioren cingulären Cortex, zu einer veränderten Anzahl an bestimmten erregenden Synapsen, die „Spinesynapsen“ (Braun/Meier 2006) gennant werden. Der Begriff „spine“ kann mit Dornenfortsatz übersetzt werden und bezieht sich auf die Form dieser überwiegend an den Dendriten der Nervenzellen vorkommenden Synapsen. Als Folgen einer erhöhten oder erniedrigten Synapsendichte werden Erkrankungen wie bestimmte Formen der Schizophrenie, Depressionen oder auch das „fragile X mentales Retardierungs-Syndrom“ („Schwachsinn“) diskutiert (Braun/Meier 2006, 104).
Das macht deutlich, von welch herausragender Wichtigkeit all diejenigen Erfahrungen, die in prägenden Phasen gemacht werden, sind.
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Auf der anderen Seite gilt es, Erkenntnisse aus der Neurobiologie heranzuziehen und für das Lernen fruchtbar zu machen, wie ich es auch im Artikel Neurobiologie des Gedächtnisses gemacht habe.
Einige weitere Punkte möchte ich an dieser Stelle nennen, die je ein Schlaglicht auf das werfen, was Lernen genannt wird und ausmacht. Es sind:

  1. Angeborene Lernfähigkeit und Neugierde: Es gilt, die Neugierde als Kraftquelle des Lernens zu fördern oder wieder zu entdecken. Lernen aus Neugierde ist gleichzusetzen mit einer intrinsischen Motivation, sich mit sich und seinen Umwelten zu befassen – ein Leben lang.
  2. Stetige Gehirnaktivität: Das Gehirn schläft nie, selbst im Schlaf verarbeitet es die Erfahrungen des Tages im Prozess der Gedächtniskonsolidierung. Den eigenen Biorhythmus zu kennen und die Hochphasen als Lernphasen zu nutzen sind Folgen aus dieser Erkenntnis
  3. Suche nach Glückserlebnissen: Wir Menschen suchen im Leben nach Glück. Das soll keine esoterische Botschaft werden, sondern eine Erkenntnis, die mit dem Verständnis des Limbischen Systems als dem Belohnungszentrum des menschlichen Gehirns zusammenhängt. Wer sein Lernen so mit positiven Gefühlen und Kontexten assoziiert, dass ein Gefühl der Lust mit dem Lernen und dessen Anwenden einhergeht, dem winken Glückserlebnisse. Solche positiven Erfahrungen wiederum wirken vielgestaltig rück auf bereits gemachte Lernerfahrungen und modellieren sie dadurch. So steigt auch zukünftig die Motivation zu lernen, denn mit dem Erlebnis eines Glücksgefühls wird das Limbische System so modifiziert, dass es sie wiederholen will.
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    Als ein „Hack des Glücks“ kann der Prozess der Selbstkonditionierung gelten.
  4. Spannungsbögen als Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung: Jeder Mensch hat einen individuellen Biorhythmus, der als Leistungskurve innerhalb eines 24-stündigen Tages dargestellt werden kann. Lernen ist eine hoch komplexe Leistung des Gehirns, weswegen es ungeübten Lernern anfangs sehr anstrengend erscheint. Aber nicht nur sie sollten ihr Lernen in Lernphasen, die durch Pausen unterbrochen sind, gliedern. Durch einen so generierten Spannungsbogen werden die Lerninformationen bedeutsamer als wenn sie während nur einer langen Lerneinheit aufgenommen würden.
  5. Vermeidung von Repressionen, Unterforderung und Überforderung: Im Grunde lernen Menschen genau dann am besten, wenn sie in einem Flow-Erlebnis lernen.
    Flow-Erlebnisse können dann und nur dann entstehen, wenn der Lernende vom Lernstoff weder unter- noch überfordert wird und seine Aufmerksamkeit voll auf das zu Lernende konzentriert. Dadurch gelangt das Gehirn in einen dem Lernen sehr förderlichen Aktivierungszustand. Charakteristisch für das Flow-Erleben ist das Vergessen der Zeit; sie scheint „wie im Flug“ zu vergehen.
  6. Lernfenster und Entwicklungsphasen des Gehirns: Es gibt in der Ontogenese des Individuums Zeitfenster, in denen bestimmte Teile des Gehirns besonders plastisch modellierbar sind. Anders gesagt, vernetzen sich darin Nervenzellen besonders leicht und nachhaltig. Solche Zeitfenster sind etwa für das phonetische Erlernen des Lautrepertoires der Muttersprache nachgewiesen.
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    Andere Strukturen des Gehirns entwickeln sich recht langsam. Der Präfrontale Cortex, welcher für exekutive Bewusstseinsfunktionen oder auch das Erinnern bewusst erlernter Informationen zuständig ist, bildet bis etwa zum 20. Lebensjahr komplexe Vernetzungen aus, bevor seine Plastizität langsam abnimmt.
  7. Emotionale Förderung: Lernen und Emotionen sind aufs Engste verknüpft. Das liegt daran, dass beim Lernen immer auch das Limbische System aktiv ist, welches fortlaufend die Qualität und Bedeutung der Sinnesinformationen bewertet und ihre Wertigkeit im Gedächtnis hinterlegt. Mit anderen Worten: Je bedeutsamer der Lernstoff für dich ist, desto intensiver wird er emotional eingefärbt und desto höher im Gedächtnis bewertet. Etwas, das bedeutungsvoll gelernt wurde, kann leichter und bewusst wiedererinnert und auf andere Situationen transferiert werden. Das ist der Grund, warum der emotionalen Förderung von Lernenden ein besonders hoher Stellenwert zukommen sollte.
  8. Prägung einer Grammatik des Fühlens im Limbischen System: Die Grammatik des Limbischen Systems ist identisch mit den individuellen Verknüpfungen der Systeme innerhalb des Limbischen Systems und mit Systemen in anderen Bereichen des Gehirns.

Evolution des Erziehungssystems
Das Gehirn ist ein hoch komplexes und dynamisches System, das Menschen zum Lernen befähigt. Das Lernen hängt nicht nur bei Babys oder Kleinkindern mit der sozialen Interaktion in unterschiedlichen Umwelten zusammen. In der Neugierde, mit der gelernt wird, kommt das Phänomen der angeborenen Bedeutungssuche zum Ausdruck. Menschen suchen bei allem, was sie tun, nach Bedeutung. Bedeutungsstiftung geschieht kognitiv durch Lernen, indem

  • Eigenschaften der Sinneswahrnehmungen mental mit Vorwissen verglichen werden
  • Ähnlichkeiten und Unterschiede identifiziert und extrahiert werden
  • Kategorisierungen durchgeführt werden
  • es zur mentalen Modellbildung bzw. mentalen Repräsentationen kommt
  • Begriffliches Wissen erworben wird

Schlüssel zum Lernerfolg
Das alles kommt in einem anspruchsvoll-fordernden Unterricht zusammen, indem du dich darin mit komplexen Themen befasst, sie analysierst und verstehen lernst. Es wäre möglich, wenngleich an dieser Stelle nicht ausgeführt, eine philosophisch-erkenntnistheoretische Erörterung zu den genannten Prozessen zu verfassen. Sicherlich spielt darin eine Sinnesdatentheorie genauso eine Rolle wie die Neurobiologie des Gedächtnisses. Der Integration der unterschiedlichen Gedächtnisarten und die Berücksichtigung, dass sich Lernprozesse mit der Zeit verändern, können dem Unterricht ebenso wie ein pädagogisches Gespür für die Individualität jedes Gehirns zugute kommen. Sofern der Unterricht auch die emotionale Ebene des Lernens mit berücksichtigt, kann er als einer bezeichnet werden, der aktuelle interdisziplinäre Forschungsergebnisse pädagogisch integriert, auch weil in ihm die Neurobiologie des Lernens als eine fruchtbare Grundlage für selbstständiges Lernen – und damit verbunden: Lernen zu lernen – zum Tragen kommen wird.

Theorie und Praxisbezug
Ich höre manchmal Lehrer klagen, dass es ja schön und gut sei, solche Schlüssel zum Lernerfolg zu haben, allein es sei die Umsetzung in die Praxis, das Aufschließen der Türen, so schwierig. Das kann ich als Argument nur teilweise gelten lassen. Ich behaupte, dass jeder Unterricht sich relativ zum gegenwärtigen Zustand an diesen vorgestellten Erkenntnissen orientieren oder ausrichten kann. Es muss nicht gleich alles auf einmal geändert werden. Aber es wäre ebenso verfehlt, die Chance auf ein gehirngerechteres Lernen außer acht zu lassen. Peu à peu gilt es, als Lehrender die Freude am Experimentieren zu entdecken und einfach, wie Kinder es tun, auszuprobieren. In einem solchen Erprobungsraum kann sogar eine Didaktik der praktischen Problemlösung ausgemacht werden, die ich für eine Schlüsselqualifikation in der globalisierten Welt halte.
Schlüssel zum Lernerfolg
Sie basiert auf den Lehrerfahrungen, die ich durch mehrjährige Nachhilfetätigkeit gemacht habe. Zwar unterscheiden sich Einzelnachhilfe und Klassenverband strukturell, eben weil die zur Verfügung stehende Zeit pro Schüler eine andere ist. Jedoch könnte auch dieses Problem gelöst werden, indem der Unterricht flexibel eine je der Thematik und den Lernzielen angemessene Form annimmt. Reiner Frontalunterricht, der semantisches Wissen vermittelt, ist nicht unzeitgemäß, sollte aber wohl dosiert etwa in der Einführungsphase eines neuen Themenbereichs eingesetzt werden. Daran anschließen können sich Gruppenarbeiten, Projekte, auch und vor allem Referate, die gut betreut eine hervorragende Möglichkeit zum eigenständigen und vertieften Lernen auf Basis persönlicher Interessensgebiete bieten.
MÄDCHEN MIT BUCH RIME
Dadurch kann eine individuelle Förderung einzelner Schüler realisiert werden. Voraussetzung aber ist, dass der Lehrer sich nicht mehr als vorherrschende Autorität des Wissens betrachtet, sondern die Rolle eines Lernbegleiters oder Beraters einnimmt. Die Schüler wiederum lernen dann auch dadurch, dass sie lehren. Denn wer ein Referatsthema so aufbereitet, dass er es der Klasse verständlich erklären und präsentieren kann, hat vielfältige Lernphasen durchlaufen, von der Recherche über die Erarbeitung bis zur Präsentation des Themas.

Das kann durchaus als eine „High Challenge“-Aufgabe bezeichnet oder eingesetzt werden. Es gilt, komplexe Lernprozesse durch Herausforderungen solcher Art und durch individuelle Begleitung zu fördern. Besonders, weil wir in einer globalisierten Welt leben, in der sich bestimmtes Wissen fast täglich ändert, muss dem Erlernen des selbstständigen Lernens absolut höchste Priorität eingeräumt werden. Und denjenigen Lehrern, die jetzt über lernfaule Schüler klagen, sei gesagt: Lernt die motivationale Grundlage eurer SchülerInnen anzusprechen und zu modifizieren, indem ihr einen anregenden und jeden einzelnen Schüler ansprechenden Unterricht anbietet. Wissenserwerb ist heutzutage mehr denn früher mit der Entscheidung eines Schülers für oder gegen eine Quelle des Wissens verbunden. Zwar kann es nicht in Marktschreierei ausarten, aber mit dem richtigen Pfiff wird das Lernen wohl eher aufgenommen als wenn es klanglos daherkäme. Schüler, so behaupte ich, lernen immer nur so gut wie ihre Lehrer sie zum Lernen motivieren können. Das ist ein Grundsatz mit weit reichenden Implikationen, doch ihn mit Leben zu füllen gehört zur gegenwärtigen Rolle eines gehirngerecht lehrenden Lernbegleiters.

Zusammenfassung: Schlüssel zum Lernerfolg

Schlüssel zum Lernerfolg sind, kurz und knapp, das bedeutungsvolle Lernen auf Grundlage einer gehirngerechten Neuropädagogik und didaktisch kompetente Lehrende, die den Schülern auf dem Weg zum selbstständigen und lebenslangen Lernen begleiten.

Jan-Benedikt Kersting

Jan-Benedikt Kersting

Freiberuflicher Bildungscoach bei Creactivity-Solutions
Freiberufliche Tätigkeiten erfordern ein Höchstmaß an Flexibilität und Kreativität. Kombiniert mit fachlicher Kompetenz und Organisationsfähigkeit kann ich auch ihr Projekt ins Internet bringen. Oder sind Sie an Sprachkursen in Englisch und Deutsch interessiert? Dann kontaktieren Sie mich bitte über die Emailadresse: kontakt@bildungsadler.de
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