Was bedeutet methodisches Vorgehen?

Der Begriff der Methodik taucht bereits in der Schule, spätestens aber an der Universität auf. Methodisches Vorgehen meint dabei, Aufgaben und Probleme strukturiert und zielgerichtet anzugehen. Welche Methode oder Methoden dafür gewählt werden, ist von den jeweiligen Fächern und, sagen wir es frei heraus, von der Auswahl forschender Menschen abhängig. Heutzutage wird weithin die Auffassung vertreten, dass es nicht die eine, immer passende und immer valide Ergebnisse erzielende Methode gebe.
Stattdessen ist man dazu übergegangen, einem methodischen Pluralismus Raum zu geben. In der Schule findet sich solches methodisches Vorgehen zum Beispiel im Projektunterricht oder interdisziplinär ausgerichteten Themenfeldern wieder.
Wenn auch du erfahren möchtest, was Kriterien wissenschaftlich anerkannter Methoden im Schulunterricht sind, dann empfehle ich dir weiter zu lesen.

Methodisches Vorgehen

Generelle Bedeutung von Forschungsmethoden
Die Frage, warum es wichtig ist, allgemeine Kriterien für unterschiedliche Methoden herauszustellen und zu befolgen, ist gut gestellt, denn: Trotz eines methodischen Pluralismus müssen die in Frage kommenden Methoden bestimmten Qualitätskriterien genügen. Dadurch wird verhindert, dass sich jeder x-beliebige Mensch seine eigene Methode zurecht legt, wodurch die Anzahl schier explodieren würde. Auch macht es Sinn, sich zu überlegen, wozu methodisches Vorgehen überhaupt nützlich sei.

Ein Qualitätskriterium anerkannter Methoden ist es, dass sie wissenschaftliche Aussagen hervorbringen. Wissenschaftliche Aussagen sind dadurch charakterisiert, dass sie keine bloße Meinung sind, sondern einen allgemeineren Anspruch an Richtigkeit haben. Das liegt darin begründet, dass wissenschaftliche Aussagen dann und nur dann als solche gelten, wenn sie zwei notwendigen Bedingungen genügen. Diese sind:

  1. Bindung an einen methodisch geregelten Forschungsprozess
  2. Evaluation der Forschungsmethoden

Was es damit auf sich hat, erfährst du in den nächsten beiden Sinnabschnitten.

Methodisch geregelter Forschungsprozess
Wissenschaftliche Aussagen entstehen dadurch, dass zuvor eine Menge an überprüfbaren Regeln erkannt oder entdeckt wurde, aus denen heraus sich die Aussagen ergeben. Ein Beispiel für eine wissenschaftliche Aussage ist der Satz:

„Wasser siedet unter Normaldruck bei 100°C.“

Eine diesem Satz zu Grunde liegende Regelmenge kann in Wenn-dann-Form formuliert werden, beispielsweise „Wenn Wasser erhitzt wird, dann steigt die mittlere kinetische Energie der Wassermoleküle an“ und „Wenn die mittlere kinetische Energie des Wassers auf 100°C ansteigt, dann wechselt der Aggregatzustand des H2O von flüssig zu gasförmig“.

Zweitens muss auch der Instrumentsatz klar sein: Es kommt darauf an, Aussagesätze zu formulieren, die wissenschaftliche Ergebnisse sprachlich transportieren. Drittens müssen schließlich die Prämissen der Ergebnisse offen gelegt werden. Das meint mitzuteilen, welche Methode und welcher Forschungsweg zu den wissenschaftlichen Aussagen geführt haben.
In unserem Beispiel haben wir uns der empirischen Methode bedient, indem wir mit einem Thermometer die Temperaturverläufe von durch einen Bunsenbrenner erhitzten Wassers beobachtet und in Zusammenhang gebracht haben mit der Änderung des Aggregatzustandes.

Evaluation der Forschungsmethoden
Zur Beurteilung und Bewertung von wissenschaftlichen Aussagen bedarf es einer kritischen Hinterfragung der eingesetzten Methoden. In unserem Beispiel haben wir die empirische Methode angewandt. Sie besteht darin, Vorgänge in der Natur zu beobachten und Verbindungen zwischen einer beobachteten Wirkung und deren Ursache herzustellen. Die Beobachtung, dass erhitztes Wasser vom flüssigen in den gasförmigen Aggregatzustand wechselt, hänge zusammen mit der Veränderung der Wassertemperatur.

Das ist ein relativ einfach zu erfassendes Ereignis, für das es nicht notwendig die Kombination mehrerer Methoden bedarf. Es gibt aber andere Felder wissenschaftlicher Forschung, in denen die Aussagekraft der Aussagen davon abhängt, welche Methodenkombinationen zu den Ergebnissen geführt hat.

In einer Verallgemeinerung hängt die Evaluation der Forschungsmethoden mit drei Kriterien zusammen:

  • Pluralistik der Methoden: Einzelmethoden decken Teilaspekte des Gesamtbildes ab
  • Arbiträre Wahl der Methoden: Es gibt keine allgemeinen Grundsätze, aus denen sich eine bestimmte Methode eindeutig ableiten ließe
  • Dynamische Neu- und Fortentwicklung der Methoden: Methoden entwickeln sich mit der Zeit und zunehmender Erfahrung ihrer Anwendung weiter oder werden durch neue Paradigmen ersetzt

Methodenverständnis heutzutage

In der aktuellen Forschung zur Erziehungswissenschaft, welche die Grundlage für Unterrichtskonzepte bildet, hat es im Vergleich zu den 1980er Jahren ein Umdenken gegeben. Hatte man damals klare methodische Abgrenzungen präferiert, ist heutzutage das Forschen durch eine paradigmatische Pluralität der Methoden und Interpretationen gekennzeichnet.

So kombinieren Wissenschaftler und Lehrer in der empirischen Forschung quantitative Methoden (wie Messungen in der Naturwissenschaft) mit qualitativen Methoden (freie Interpretation der quantitativen Ergebnisse durch die Schüler). Es werden also keine unumstößlichen Wahrheiten mehr gelehrt (die, wenn es sie denn überhaupt gibt, durch wissenschaftliche Aussagen nicht erfasst werden können), sondern eine Methodenvielfalt, welche auf Grundlage von Beobachtungen den Schülern interpretative Freiheiten einräumt. Dadurch gefördert werden mitunter unterschiedliche Perspektiven auf einen Sachverhalt, die zu unterschiedlichen Handlungen führen und ein Problem so auf mehrere Weisen lösen können.

Jan-Benedikt Kersting

Jan-Benedikt Kersting

Freiberuflicher Bildungscoach bei Creactivity-Solutions
Freiberufliche Tätigkeiten erfordern ein Höchstmaß an Flexibilität und Kreativität. Kombiniert mit fachlicher Kompetenz und Organisationsfähigkeit kann ich auch ihr Projekt ins Internet bringen. Oder sind Sie an Sprachkursen in Englisch und Deutsch interessiert? Dann kontaktieren Sie mich bitte über die Emailadresse: kontakt@bildungsadler.de
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