Klausurvorbereitung kompakt

Wer hat das nicht schon einmal erlebt: Man bekommt eine Klausur hingelegt – und hat ein Blackout! Alles Gelernte scheint plötzlich weg zu sein. Das kann ja nur schief gehen…
Aber hey! So schlimm muss es bei dir nicht kommen. Mit der richtigen Klausurvorbereitung, einer intelligenten Klausurvorbereitung, kannst du richtig Punkte absahnen, denn: Die schriftliche Note fließt mit mindestens 50% in die Zeugnisnote ein. Was du bei der Klausurvorbereitung und während der Klassenarbeit beachten solltest, verrate ich dir in diesem Artikel.

Klausurvorbereitung
1. Vorbereitung auf die Klausur
Jedes Klausurthema ist dir im Prinzip aus dem Unterricht bekannt. Es lohnt sich deshalb, besonders in den letzten zwei Wochen vor der Klausur besonders aufmerksam aufzupassen. Das bedeutet, dich auf das Unterrichtsgespräch zu konzentrieren, Verständnisfragen zu stellen, hinzuhorchen, sobald dein Lehrer oder deine Lehrerin etwas sagt, und so fort.
Sehr bewährt haben sich Unterrichtsmitschriften. Schreibe mit, was besprochen oder angesprochen wird. Es wird dir helfen, zu Hause erfolgreich die Klausur vorbereiten zu können.
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Zu Hause bereitest du dich am besten auf die Klausur vor. Es kommt darauf an, einen Überblick über das Thema oder den Themenkomplex zu erlangen. Das wird umso wichtiger, je anspruchsvoller die Thematiken sind. Dabei gilt: Eine gute Struktur ist die halbe Miete. Du solltest versuchen, eine eigene Gliederung der Themen zu erstellen. Je nachdem, welcher Lerntyp du bist, eignen sich Mindmaps oder diktierte Protokolle. Du solltest vor der Klausur in der Lage sein, dich an die Themenblöcke und die wichtigsten Unterthemen zu erinnern. Sobald du frei etwas zu jedem dieser Punkte sagen kannst, hast du eine gute Vorbereitung geleistet.

2. Realistisch planen

Eine wichtige Fähigkeit, nicht nur im Schulalltag, ist es, eine Aufgabe oder ein Projekt sorgfältig zu planen. Je nach Leistungsstand, Auffassungsgabe oder Interesse am Thema brauchst du eine gewisse Zeit für die Klausurvorbereitung. Oft ist es einfacher, sich wirklich – wirklich! – früh genug hinzusetzen und mit der Klausurvorbereitung anzufangen. Je intensiver du eine Klausur vorbereiten kannst, desto größer sind die Aussichten, dich im Rahmen deiner Möglichkeiten zu verbessern.

Zu einer realistischen Planung gehört auch, dich und deinen Leistungsstand richtig einschätzen zu können. Es ist recht unrealistisch – wenngleich nie unmöglich – mit einem Mal vier Noten besser zu werden, wenn du nur sporadisch lernst und dich übst. Wenn du jedoch das Ziel hast, dich um eine bis zwei Noten zu verbessern, dann kannst du das mit einer realistischen Planung sehr wohl schaffen.

Besonders wichtig ist, dass du ein Thema oder einen Teilbereich daraus sicher beherrscht. Wenn du beispielsweise ein Gedicht analysieren sollst, dann ist es wichtig, dass du einzelne Aufgabenschritte beherrscht, etwa eine Inhaltsangabe schreiben kannst, Stilmittel analysieren und in ihrer Funktion beschreiben kannst, usw.
Du wirst merken: Sobald du systematisch überlegst, welche Aufgaben in einer Klausur wichtig sein werden – von diesem Moment an kannst du dich realistisch auf eine Klausur vorbereiten.

3. Der Tag vor der Klausur

Nicht selten gibt es Schüler, die am letzten Tag vor der Klausur versuchen, sich den Stoff von zwei Monaten reinzupauken. Kennst du das? Dann frage dich einmal, wie oft das wirklich erfolgreich funktioniert hat. Schade, wenn es das eine oder mal funktionierte. Denn eigentlich ist der letzte Tag dafür reserviert, eine Pause einzulegen.
Klausurvorbereitung
Ja, du hast richtig gelesen. Aus Sicht der Lernpsychologen macht es am meisten Sinn, den Tag vor der Klausur ruhig zu gestalten oder etwas zu machen, das dir Spaß macht und womit du dich für die Lernarbeit der Vortage (und Wochen) zu belohnen. Sport zu machen oder ein Eis essen, sich mit Freunden treffen und vor allem früh ins Bett gehen: all das hilft dir, abzuschalten. Dein Gehirn wird es dir danken, bekommt es doch so die Chance, den ganzen Stoff etwas ruhen zu lassen, um ihn am Tag darauf umso besser abrufen zu können. Ich persönlich finde das einen der interessantesten Aspekte der Klausurvorbereitung.

4. Der Tag der Klausur
Nun ist er also da: der Tag, an dem du deine Klausur schreiben wirst. Es lohnt sich, früh genug aufzustehen, um ein nahrhaftes Frühstück einzunehmen. Besonders langkettige Kohlenhydrate, wie sie in dunklem Brot oder einer Banane vorkommen, sorgen dafür, dass du und dein Gehirn über mehrere Stunden mit genügend Energie zum Denken versorgt sind. Vermeide auf jeden Fall Süßigkeiten oder gar Traubenzucker – das gilt vor und während der Klausur. Der raffinierte Zucker oder Traubenzucker bewirken zwar einen schnellen Anstieg der Konzentrationskurve – nur dass diese nach ca. einer halben Stunde derbe abstürzt und deine Konzentration flöten geht.
Klausurvorbereitung
Wenn du während der Klausur hungrig oder durstig wirst, dann iss eine Banane oder einen Apfel und trinke Wasser statt gesüßter Limo oder süßen Säften oder Kakaodrinks. Du wirst dich einfach besser, fitter, denkfähiger fühlen – und das kommt nicht von irgendwo her, denn: Du bist, was du isst.

Manchen, die unter Prüfungsstress leiden, kann es helfen, ein paar Konzentrationsübungen vor der Klausur zu machen. Auch das kann Klausurvorbereitung bedeuten: Im Internet gibt es Beschreibungen, was es mit der Kinesiologie auf sich hat. Dort gibt es Begriffe wie „Denkmütze“, die bestimmte Stimulationen in Gesicht und am Kopf oder Atemübungen bezeichnen. Sie dienen dazu, dass du ein Ritual hast, welches dich runterfährt. Welches hilft, dass du nicht in wilden Spekulationen mit Klassenkameraden oder dir selbst versinkt, wie schrecklich alles werden könne. Denke daran: Du hast dich gut vorbereitet, also hast du wenig Grund, dich im Vorhinein nervös und fertig zu machen, dass dann das Befürchtete unnötigerweise doch eintritt. Bleibe ruhig, gehe in dich – in den Tunnel – und atme ruhig und gleichmäßig durch, bis es los geht.

5. Die Klausur in der Hand
Da ist sie also: gerade hat dein Lehrer oder deine Lehrerin die Klausur ausgeteilt. Das Blatt liegt vor dir auf dem Tisch. War es früher so, dass alles zu einem einzigen Grau wurde, fast zu verlaufen schien vor deinen Augen? Das sind Ängste, die du hinter dir gelassen hast mit einer guten Klausurvorbereitung. Heute kannst du selbstbewusst das Blatt umdrehen. Du wirst sehen, dass alles wie immer aufgebaut ist. Oben stehen die Stammdaten, also Datum, Klasse, Thema der Klausur. Darunter wirst du, je nach Fach, die Aufgaben finden und einen Text lesen oder Zahlen und Formeln berechnen müssen.
Klausurvorbereitung
Ganz wichtig an dieser Stelle: Guck dir zuerst das gesamte Blatt an. Überschaue alle Aufgaben, die zu bearbeiten sind. Du brauchst sie beim ersten Mal nicht im Detail anzusehen. Sondern es kommt auf einen Überblick an. Das hilft dir und deinem Gehirn, zu wissen, was gefordert wird. Und an dieser Stelle kommt das realistische Lernen zum ersten Mal voll zum Tragen. Du wirst Vieles schon kennen oder zumindest ahnen, womit es zusammenhängt. Und selbst dann, wenn du es nur überfliegst, beginnt das Gehirn des gut vorbereiteten Schülers bereits im Vorbewussten, die Aufgaben zu lösen – ohne dass du sie schon konkret bearbeitest! Glaube mir, dass dies ein riesengroßer Vorteil ist, der dir eine ganze Portion Selbstvertrauen in deine Fähigkeiten bewusst machen kann!

Beachte die Aufgabenstellung genau
Nach dem ersten Überblick geht es jetzt darum, die Aufgabenstellungen ganz genau und voll konzentriert – Wort für Wort also – zu lesen! Und zwar mindestens zwei Mal. Achte dabei auf die unterschiedlichen Anweisungen, wie du eine Aufgabe bearbeiten sollst. Es macht einen riesengroßen Unterschied, ob dort steht: „Erläutern Sie XYZ“ oder aber „Erörtern Sie XYZ“! Am besten machst du dich während der Klausurvorbereitung mit den Begriffen vertraut. Du solltest sie so gut kennen, dass dich jemand im Schlaf aufwecken könnte und du sofort die Definitionen aufsagen könntest. Kein Scherz – wer dazu fähig ist, der hat etwas wirklich verstanden und kann es, so die Pointe der Szene, selbst in den unmöglichsten Stress-Situationen eine gute Antwort liefern.

Erst, nachdem du dir einen Überblick und eine genaue Kenntnis der Aufgabenstellung verschafft hast, geht es an den Inhalt der Klausur. Das ist, je nach Fach, ein Gedicht, eine geschichtliche Quelle, Matheaufgaben, chemische Formeln, Statistiken oder Tabellen, Kartenmaterial usw. Schaue dir das Material nun so genau an, dass du es benennen kannst. Eine Karte ist beispielsweise eine sehr allgemeine Beschreibung. Konkreter ist schon, sie als Landkarte zu benennen. Am besten aber wäre es, wenn du sie als geografische Karte (Europakarte, Deutschlandkarte, etc,) oder als topografische Karte (Höhenrelief in der Schwäbischen Alp, das Alte Land in Hamburg, etc.) erkennen kannst.

Stelle eigene Fragen und beantworte sie
Damit hast du dann das Thema der Klausur dir aus dem Material erschlossen: Nutze ein Skizzenblatt, um deine Zwischenergebnisse festzuhalten.
Klausur schreiben
Es geht in unserem Beispiel etwa darum, das Alte Land in Hinsicht auf seine topografischen Eigenschaften zu untersuchen und mit statistischen Informationen über Produktion von Äpfeln pro Jahr in Tonnen in Bezug zu setzen. Daraus ergeben sich weitere Fragen, etwa: Wie werden diese Mengen geerntet? Per Hand oder maschinell? Wo wird das Erntegut gelagert? Wie wird es zum Lager und vom Lager zu den Verbrauchern transportiert? Gibt es Straßen vor LKWs, Schienen, Wasserwege? Wann ist Erntezeit? Wann also werden diese Wege wohl sehr stark frequentiert sein (Saison)? Welche Auswirkungen hat der Verkehr auf die Umgebung, auf die Natur und die Menschen, die im Einzugsgebiet leben? Wie steht es mit der Arbeitslosigkeit während und außerhalb der Erntezeit?

Insgesamt solltest du bei diesem Beispiel in der Lage sein, eine realistische Einschätzung der Situation zu geben, in dem du geologische und soziologische und gesellschaftliche Bereiche miteinander in Beziehung setzt und Schlussfolgerungen ziehst. Damit sprichst du dann eine Einschätzung aus, die man Beurteilung nennt. Und das ist das Gold einer jeden Klausur: zu Ergebnissen zu gelangen, die du aufgrund einer eigenen Untersuchung und Interpretation erlangt hast.

Zielgerichtet und fachbegrifflich argumentieren
Denke daran: Der Weg ist das Ziel. Erkläre, argumentiere, schlussfolgere auf ein Ziel hinaus. Denn auch wenn das Ziel oder das Ergebnis nicht hundertprozentig stimmig oder richtig ist, so gibt es für einen gut nachvollziehbaren Lösungsweg viele Punkte. Andersherum ist es nicht so einfach, Punkte zu erlangen. Wenn du in der Mathematikklausur nur das richtige Ergebnis stehen hast, aber Fehler im Lösungsweg überwiegen oder gar kein Lösungsweg da ist, nun, dann könnte der Lehrer denken: gut geraten oder abgeschrieben. Beide Urteile sind natürlich wenig geeignet, dir für deine Mühen Punkte zu geben.

Nimm dir für die Formulierung des Textes Zeit. Neben der inhaltlichen Richtigkeit werden in den meisten Fächern auch sprachliche Fertigkeiten und Fähigkeiten bewertet, etwa die Komplexität und Korrektheit grammatischer Konstruktionen oder die Treffsicherheit und der Reichtum deiner Wortwahl. Fachtermini müssen in jeder mit mindestens gut bewerteten Klausur auftauchen und ebenso gut erklärt werden, was sie im Kontext der Klausur bedeuten. Damit lassen sich richtig viele Punkte sammeln, denn damit zeigst du Begabung, auch mit abstrakten Vorstellungen probat umgehen zu können.

Das wird auch im Studium von sehr hoher Bedeutung sein. Du solltest in einer Klausur über die Neurobiologie Fachbegriffe wie „Soma“, „Axon“, „Myelin“, „Synpase“, „Synapsenendknöpfchen“, „Neurotransmitter“ und „Dendron“ sicher beherrschen und einer Skizze zuordnen können. Darüber hinaus wäre es hilfreich, die „saltatorische Erregungsleistung“ anhand einer solchen beschrifteten Skizze erklären zu können. Damit zeigst du, dass du physiologische Struktur mit dynamischen Prozessen in Verbindung bringen kannst.
Klausur schreiben
Zeit für Selbstkorrektur einplanen
Am Ende der Klausur solltest du noch ca. 5-10 Minuten Zeit haben, um ein letztes Mal die Klausur zu überfliegen. Lies dir den Text durch und versuche, Rechtschreib- und Grammatikfehler zu korrigieren. Achte auch richtige Zeichensetzung. Beispielsweise kommen Zitate wie „Achte auf die richtige Zeichensetzung“ (s.o.) in Anführungsstriche und müssen mit Quellenangaben versehen sein.

Sofern du fertig bist und deine Mitschüler noch schreiben, dann achte bitte darauf, leise deine Klausur abzugeben und wortlos den Raum zu verlassen.

Hast du das beherzigt? Dann herzlichen Glückwunsch! Damit ist dir wahrscheinlich ein großer Wurf gelungen. Aller Wahrscheinlichkeit nach hast du dich mit dieser Klausur verbessert. Und weil du dich darauf gut vorbereitet und die Klausur intelligent angegangen bist und durchgeführt hast, kannst du auch stolz auf deine Leistung sein.

6. Die Nachbereitung
Ein bis zwei Wochen später wirst du deine Klausur zurückbekommen haben. Meistens folgt der Ausgabe im Unterricht eine Besprechung. Schau dir deine Klausur genau an und lies dir die Kommentare durch. Freu dich über Lob und beachte Kritik. Sie kann dir helfen, in der nächsten Klausur Fehler, die du bisher noch machst, zu vermeiden. Dadurch wird sie wieder etwas besser werden als die vorherige. Und darauf kommt es an.

Sprich deinen Lehrer oder deine Lehrerin an, was sie genau kritisiert hat. Das kannst du in der Nachbesprechung machen oder nach der Stunde mit ihm oder ihr persönlich. Nutze diese Chance. Wenn du vielleicht Nachhilfeunterricht nimmst oder vorhast zu nehmen, dann ist es wichtig, dass du deinem Nachhilfelehrer die Klausuren vorlegen kannst. Gemeinsam könnt ihr dann eine neue Perspektive auf die guten und weniger guten Stellen der Klausur einnehmen und hilfreiche Tipps für die nächste Klausur erarbeiten. Du merkst also: Bereits nach Rückgabe der Klausur kannst du mit der Klausurvorbereitung für die nächste beginnen.

Klausurvorbereitung kompakt

Ich habe dir in dieser Liste die wichtigsten Punkte, die du bei deiner Klausurvorbereitung beachten solltest, zusammengefasst. Sie kann dir auch als Checkliste dienen.

  1. Fange spätestens zwei Wochen vor dem Termin mit der Klausurvorbereitung an!
  2. Passe in den Stunden vor der Klausur besonders aufmerksam im Unterricht auf!
  3. Schreibe unbedingt im Unterricht mit!
  4. Relaxe am Vortag der Klausur!
  5. Frühstücke gesunde Lebensmittel am Morgen der Klausur!
  6. Bleibe ruhig und entspannt!
  7. Überblicke zuerst das gesamte Klausurblatt und lies die Aufgabenstellungen genau!
  8. Benutze ein Skizzenblatt!
  9. Plane ca. 10 Minuten für eigene Korrekturen am Ende der Klausur ein!
  10. Besprich mit deinem Lehrer das Ergebnis der Klausur und stelle Fragen zu Kritikpunkten!
Jan-Benedikt Kersting

Jan-Benedikt Kersting

Freiberuflicher Bildungscoach bei Creactivity-Solutions
Freiberufliche Tätigkeiten erfordern ein Höchstmaß an Flexibilität und Kreativität. Kombiniert mit fachlicher Kompetenz und Organisationsfähigkeit kann ich auch ihr Projekt ins Internet bringen. Oder sind Sie an Sprachkursen in Englisch und Deutsch interessiert? Dann kontaktieren Sie mich bitte über die Emailadresse: kontakt@bildungsadler.de
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