Bildung und Globalisierung

Bildung und Globalisierung sind die Stichworte für diesen Artikel. Auf Grundlage eines Strukturmodells der Erziehung wird ersichtlich, dass sie von gesellschaftlich-historisch-sozialen Randbedingungen geprägt ist. Was charakteristisch für das gegenwärtige Verständnis von Erziehung und Bildung ist, erkläre ich dir kompakt und umfassend zugleich. Abschließend erweitere ich die Erörterung um den Aspekt der Globalisierung: Was, so die Leitfrage, sind die Herausforderungen, denen SchülerInnen in der einer zunehmend abstrakt und komplex werdenden Welt sich gegenübersehen? Durch das Lesen dieses Artikels wirst du besser verstehen, warum Schule und Bildung heute wichtiger denn je sind, um dich in einer solchen Welt orientieren und in ihr erfolgreich Probleme lösen zu können.
Bildung und Globalisierung
Da dieser Artikel etwas länger ist, stelle ich ihm eine Gliederung voran:

  1. Strukturmodell der Erziehung
  2. Merkmale des aktuellen Erziehungsbegriffs
  3. Was ist Bildung?
  4. Bildung unter den Bedingungen der Globalisierung
  5. Zusammenfassung

1. Strukturmodell der Erziehung
Sobald die Frage, was Erziehung sei oder zu leisten habe, gestellt wird, kann man dahin kommen, ein Strukturmodell der Erziehung aufzustellen. Ein solches Modell zeigt den Zusammenhang zwischen konkreten Ebenen wie der Lehrer-Schüler-Interaktion und allgemeineren Ebenen wie dem jeweiligen gesellschaft-historisch-sozialen Lebenskontext auf. Dadurch wird erkennbar, wie Institutionen der Erziehung genau die Zwischenebene in der Mitte beider genannter Ebenen bilden. Sie sind der Ort der Vermittlung zwischen abstrakteren Normen und Werten und konkreten zwischenmenschlichen Handeln in einer sozialökologischen Zone.

Es gibt heutzutage einige Merkmale, die mit dem Begriff der Erziehung verbunden sind. Diese Merkmale sind zu unterschiedlichen Zeiten oder in unterschiedlichen politischen Systemen je charakteristisch, denn es kommt in ihnen dasjenige, was Bildung und Erziehung leisten soll, zum Ausdruck. Für die heutige Zeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz können nachfolgende Merkmale differenziert werden:

  • Erziehung ist intentional: Sie soll Ziele, Normen und Werte realisieren
  • Erziehung ist ein Integrationsprozess: Es kommt zunehmend zu einer Symmetrisierung der Rollen
  • Erziehungsprozesse sind methodisch organisiert: die Lernbedingungen dienen dazu, die jeweiligen Ist-Werte der Schüler an den gemeinsamen Soll-Wert der Selbsttätigkeit anzunähern
  • Erziehung ereignet sich in einem historisch-gesellschaftlichen Kontext: dadurch wird die Werte-Relativität der Erziehung bewusst
  • Erziehung bedeutet Auseinandersetzung mit Inhalten, Gegenständen, Themen, etc.: Dabei interagieren die kognitive Ebene (Wissen, Einsichten), die affektive Ebene (Einstellungen) und die Handlungsebene (Fertigkeiten) miteinander vielgestaltig

All das bisher Genannte ereignet sich innerhalb der Sozialisationsinstanzen Familie und Schule. Sie können in ein sozialökologisches Zonenmodell eingeordnet werden.

Eine solche Erweiterung des Erkenntnishorizontes macht deutlich, wie weit verbreitet Bildung und Lernen nicht nur gedacht werden kann, sondern wie weit verbreitet sie tatsächlich sind. Das hat Konsequenzen nicht nur für das Verständnis von Lehrpersonen. Es weitet sich auch auf dasjenige der Lernenden aus, indem ihnen bewusst wird, dass ihre gesamte Lebensumwelt letztlich mit auf die Art und Weise ihrer Sozialisation, Erziehung und Bildung einwirkt. Zugleich werden sie selbst zu potentiell aktiven Akteuren mit derartigem Wissen. Das wiederum bedeutet eine Chance auf ein ganzheitlich ausgerichtetes Selbstbewusstsein bezüglich der Möglichkeiten der eigenen Entwicklung.

Eine solche Entwicklung findet immer in einem gesellschaftlich-historisch-sozialen Kontext statt. Solche Kontexte gelten für bestimmte größere Gemeinschaften, die ein gemeinsames Normen- und Wertverständnis teilen. Das wiederum bedeutet, dass Kontexte sowohl in der räumlichen als auch zeitlichen Dimension variieren. Es macht zum Beispiel heutzutage, also in der räumlichen Dimension, einen Unterschied, ob jemand in Deutschland oder in Tansania zur Schule geht.

In der zeitlichen Dimension wiederum unterscheidet sich die gegenwärtige Erziehungspraxis zur derjenigen während der NS-Zeit in Deutschland. Es kann dem Unterricht sehr zuträglich sein, wenn er das jeweilige Normen-und Wertsystem widerspiegelt. Im Artikel Wie demokratisch ist Unterricht? habe ich ein auf Demokratie und Menschenrechten basierendes Konzept vorgestellt.

Zusammenfassen lassen sich diese Ebenen im nachfolgenden Modell. Es setzt die Akteure des Erziehungsprozesses in Zusammenhang mit den abstrakteren gesellschafts-politischen Bedingungen einer bestimmten Zeit in einer bestimmten Gemeinschaft. Dadurch, dass sich die einzelnen Punkte variabel austauschen lassen, ist es möglich, ein solches Modell auch für andere Kontexte zu modifizieren.
Bildung und Globalisierung

2. Merkmale des aktuellen Erziehungsberiffs
Dabei darf nicht übersehen werden, dass der Bildungsbegriff innerhalb eines Erziehungskontextes ebenfalls kontigente Merkmale aufweist, wiederum abhängig von der Zeit und dem Ort, an dem er gebraucht wird. Er kann kein überzeitliches Prinzip zum Ausdruck bringen, sondern muss von den Generationen mit Bedeutung gefüllt werden. Gerade dann, wenn man die Entwicklung der Pädagogik im deutschsprachigen Raum innerhalb der letzten 50 Jahre überblickt, fällt auf, dass sich Einiges geändert hat.

Bis in die 1970er Jahre hinein war es beispielsweise noch erlaubt, SchülerInnen körperlich bei Fehlverhalten zu bestrafen, in Bayern sogar bis Anfang der 1980er Jahre. Das hat sich dann aber geändert. In diesem Zuge galt es dann entsprechend, die Rolle von Autorität neu zu definieren. Ein Lehrer konnte nicht mehr aufgrund der Möglichkeit körperlicher Züchtigung als autoritär dastehen, sondern es galt fortan, kraft der ihm innewohnenden Kompetenz zu einer Autoritätsperson zu werden.
Dabei spielt sicherlich hinein, dass Lehrer zu jener Zeit selbst andere Erziehungserfahrungen gemacht haben und diese nun kritisch zurückweisen mussten. Es galt eine Neudefinition des Erziehungsstils zu leisten.

Im Zuge solcher Überlegungen tritt auch immer wieder einmal die Frage auf, ob Erziehung denn ein verwerflicher Eingriff in die Natur des Menschen sei. Sie geht auf die Schriften Rousseaus zurück, welcher dem Menschen in seinem Naturzustand ein gutes Wesen zusprach, das durch den Eingriff erzieherischer Maßnahmen zum Schlechten hin verändert werden würde. Dieses ist aber eine eher historisch interessante Auffassung, die in unserer heutigen Welt, die sehr komplex und teils schwierig zu verstehen ist, nicht mehr allzu verbreitet anzutreffen ist.

Vielmehr gilt es, die aktuelle Frage zu diskutieren, inwieweit allgemeine Schemata der Weltkonstruktion verfallen. Da die aktuelle Welt so komplex aufgebaut und so schnelllebig sich in ihren Elementen und Strukturen verändert, ist dies eine berechtigte Frage. Wenn man sie bejaht, so schließt sich daran an herauszufinden, wie man diesen neuen Gegebenheiten angemessen und erfolgreich begegnen könne.

Die Antwort darauf lässt Hoffnung für den Begriff der Bildung aufkommen, denn: Die Notwendigkeit, jenen angesprochenen Komplexitätsschub der Wirklichkeit nicht nur zu bewältigen, sondern außerdem noch die Freiheit der persönlichen Entwicklung der Heranwachsenden zu ermöglichen, führt zu einer Renaissance des klassischen Begriffes bzw. Konzeptes der „peideia“: Im Artikel Ich-Werdung habe ich diesen aus dem Altgriechischen herstammenden Begriff genauer untersucht und ihn mit diesen beiden, konträr erscheinenden, aber in der Entwicklung praktisch miteinander einhergehenden, Entwicklungslinien in Beziehung gesetzt.
Dadurch könne von der Wiedergewinnung des Bildungsbegriffs (vgl. Gudjons 2012, 203f.) gesprochen werden.

3. Was ist Bildung?
Der Gebrach der Formulierung „Wiedergewinnung“ impliziert, dass der Bildungsbegriff zwischenzeitlich verloren gegangen sein muss. Was es damit auf sich hat, erkläre ich nachfolgend. Dadurch wirst du erkennen, dass du in einer ganz bestimmten Zeit unter charakteristischen Bedingungen zur Schule gehst, die zu deiner Sozialisation beitragen und dich in deiner persönlichen Entwicklung fördern. Nur dann, wenn Bildungsinstitutionen beides leisten, befinden sie sich auf Augenhöhe mit der Gegenwart und ihren Anforderungen.

Es gab eine Zeit, in welcher der Begriff der Bildung eine Blütezeit erlangte. Mehr dazu kannst du im Artikel Geschichte der Pädagogik nachlesen. Es war nämlich die Zeit der Großen Pädagogen, von denen einer Humboldt hieß. Er sprach sich dezidiert und nachdrücklich dafür aus, Bildung und Entwicklung der Persönlichkeit miteinander gleichzusetzen. Bildung habe die Kräfte des Menschen heranzubilden und nicht bloß den Kopf mit Lernstoffen zu füllen. Er begriff Bildung ganzheitlich und sah in der Freiheit des Menschen dessen höchste Entwicklung.
Auf der anderen Seite kamen immer wieder Strömungen zum Tragen, die Bildung als die Sicherung sozialer Verhältnisse verstanden. Besonders sind die Schriften von Marx und Engels zu nennen, in deren Tradition marxistische Kritiken etwa das Bürgertum samt der bürgerlichen Bildung angriffen.
Bildung und Globalisierung
Bisher haben wir etwas über eine große Perspektivenunterscheidung zwischen der persönlichen und der sozialen Herangehensweise an den Bildungsbegriff erfahren. Auf sprachlicher Ebene tritt ein weiterer, sehr interessanter Aspekt hervor, denn nur wenige Sprachen unterscheiden den Begriff Bildung in Form von äußerer Erziehung und innerer Bildung. Das Englische, zum Beispiel, kennt nur den Begriff „education“, der auf die Ausbildung bestimmter Fähigkeiten referiert.

Untersucht man genauer, was mit dem Begriff der Bildung gemeint ist, gelangt man dahin, eine Unterscheidung zwischen den hauptsächlichen Anliegen oder Zielen der Bildung zu treffen. So kann man drei Argumentationslinien herausstellen, die mit dem Bildungsbegriff in Zusammenhang stehen:

  • Allgemeinbildung: Sie wirkt einer allzu großen wissenschaftlichen Spezialisierung entgegen
  • Leitidee einer Organisation oder einer Wertgemeinschaft: sie wirkt einer allzu weiten Pluralisierung entgegen
  • Erziehungswissenschaft: in neuerer Formulierung wird sie als theoriegeleitete und an einer historisch-systematischen Rekonstruktion der Randbedingungen des Bildungsbegriffs interessierten Wissenschaft aufgefasst

Auf eine andere Art und Weise kann ebenfalls auf das, was Bildung und Erziehung sei, Bezug genommen werden. Was, so kann man fragen, meint Bildung denn überhaupt? Das Spektrum der Antworten verweist zugleich auf die enorme Spannweite, welche der Begriff der Bildung im deutschsprachigen Raum hat. Bildung kann zum Beispiel Folgendes meinen:

  • Befähigung zur vernünftigen Selbstbestimmung und Solidaritätsfähigkeit
  • Subjektentwicklung im Medium der Objektivationen bisheriger Kultur
  • Gewinnung von Individualität und Gemeinschaftsfähigkeit
  • allgemeine, für alle Menschen gültige Bildung
  • Vielseitigkeit in Gestalt von moralischen, kognitiven, ästhetischen, praktischen Fähigkeiten, Kenntnissen und Fertigkeiten

Wie kann der Begriff der Bildung für die heutige Zeit im deutschsprachigen Raum näher gefasst werden? Darüber hat sich Langewand (2002, 74ff.) Gedanken gemacht und ist dazu gekommen, ihn in fünf Dimensionen zu beschreiben. Diese Dimensionen sind

  1. die sachliche Dimension: Darin werden die jeweiligen Stoffe angeordnet
  2. die temporäre Dimension: Darin kommt es zu einer Interpretation des Zeitverlaufs der Menschheitsgeschichte
  3. die soziale Dimension: Darin kommen normative Zusammenhänge und kommunikative Solidarität zusammen
  4. die wissenschaftliche Dimension: Bildung gründet notwendig auf dem Axiom, Dogmatismus zu vermeiden
  5. die autobiographische Dimension: Ein Individuum braucht Bildung für sein Selbstverständnis

Bildung und Globalisierung
4. Bildung unter den Bedingungen der Globalisierung
Besonders unter den Bedingungen der Globalisation müssen die Probleme der Bildung erkannt werden, um solche Ziele zu formulieren, die zur Bewältigung der Gegebenheiten und zur allgemeinen Problemlösungsfähigkeit führen. Es kann, ganz allgemein, beobachtet werden, dass das Arbeiten und Leben in einer globalisierten Gesellschaft zunehmend abstrakter wird. Zugleich steigt das Wissen über die Welt exponentiell an.
Das bedeutet aber nicht, dass dadurch auch die Handlungsfähigkeit zunähme. Im Gegenteil, die Fähigkeit zu handeln nimmt in Bezug auf globale Problemlösungen merkbar ab. Der Einzelne sieht sich kaum noch imstande, globale Krisen wie etwa die Finanzkrise in irgendeiner merklichen Art und Weise zu beeinflussen. Es droht eine zunehmende Ohnmacht, die sich in Gefühlen der Fremdbestimmung oder Hilflosigkeit bahn zu brechen drohen. Rückzug, Gleichgültigkeit oder gar ein ethischer Relativismus sind wahrscheinliche Folgeerscheinungen daraus.

Bildung hat also die Aufgabe, Modi der Problembewältigung anzubieten. Sie muss auf die Zukunft zielen und Selbstbestimmung, Mitbestimmung und Solidarität ermöglichen, denn dieses sind einige der notwendigen Schlüsselkompetenzen in einer Welt, in welcher der einzelne Mensch mehr denn je den Spagat zwischen individueller Unabhängigkeit und einer abstrakter werdenden Art der Gemeinschaftlichkeit schaffen muss.

Darin sind Entwicklungsaufgaben impliziert, die nicht nur Heranwachsende zu meistern haben, sondern auch Menschen vorheriger Generationen. Die globalisierte Welt erfordert kompetentes Handeln, das auf einer kritischen Reflexion basiert, in den nachfolgenden Kernbereichen:

  1. Arbeit
  2. Rationalität und Wissenschaft
  3. Subjektivität und Wirklichkeitsverarbeitung
  4. Weltorientierung und Ethik

Bildung und Globalisierung

A. Arbeit
Erziehung und Schule, aber auch Bildung, sollen unter Anderem auf das Arbeitsleben vorbereiten. Es wird das Arbeiten zunehmend abstrakter etwa durch die technischen Kommunikationsmittel. Zugleich aber darf der Anschein des Abstrakten nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer globalisierten Gesellschaft leben, in der es zu komplexen Wechselwirkungen über die Ländergrenzen hinaus kommt.

Als Beispiel seien ökologische Probleme genannt, die in Gestalt von Umweltverschmutzung vielfältig auf globale Systeme ein- und mit ihnen und uns wechselwirken. Mehr denn je steht es in der Verantwortung eines jeden Menschen, darüber im Sinne einer ökonomischen Rationalität nachzudenken. Es geht schließlich nicht nur um uns jetzt lebende Menschen, sondern auch um unsere Kinder. Wofür, wenn nicht für unsere Nachkommen, lohnt sich ein ökologisch sinnvoller Umgang mit der Welt und ihren Ressourcen.

Um eine solche ökonomische Rationalität zu entwickeln, kommt wiederum der Erziehung und Bildung hoher Stellenwert zu. Es gilt, in folgenden Bereichen Kompetenzen zu entwickeln:

  • Analytische Kompetenzen
  • Synthetische Kompetenzen
  • Soziale Kompetenzen

Diese Kompetenzfelder sind je für sich, und in ihrem Ineinandergreifen, wichtige Grundlage für ein kritisches und problemlösungsorientiertes Handeln.
Bildung und Globalisierung
B. Rationalität und Wissenschaft
Der zweite Punkt wurde mit „Rationalität und Wissenschaft“ betitelt. Damit gemeint ist ins Besondere, das Zweck-Mittel-Denken kritisch zu hinterfragen. Es ist ein in unserer Zeit überaus deutlich hervortretendes Problem, dass offensichtlich der Versuch der Naturbeherrschung umgeschlagen ist in tiefgreifende Naturzerstörung.
Der Zweck dabei ist die Maximierung des Profites, wozu den jeweiligen Akteuren so gut wie jedes Mittel recht zu sein scheint. Ein Beispiel für diese Art Wahnsinn ist etwa das aktuell diskutierte Vorhaben, die Methode des Frackings in Europa zur Erdgasförderung anzuwenden. Bildung hat ein neues Bewusstsein bezüglich solcher Problematiken zu entwickeln. Neue Formen von Emotionalität, Sinnlichkeit und ganzheitlicher Lebensauffassung gilt es zu bestärken, um so eine tragbare Basis für einen Sinneswechsel zu schaffen.

C. Subjektivität und Wirklichkeitsauffassung
Ein weiterer, nicht minder wichtiger, Bereich betrifft die Subjektivität und Wirklichkeitsverarbeitung zu bildender und gebildeter Menschen. Allgemein, so kann zusammengefasst werden, geht mit der Stärkung von Interpretationsfähigkeiten die Erkenntnis einher, dass Wirklichkeit nicht eindimensional, sondern komplex erscheint. Es gibt oft nicht eine einzige Möglichkeit oder Methode, ein Problem zu lösen, sondern es kommt auf die Methoden an, die einer Lösung zugrunde liegen. Die Methodenvielfalt habe ich in den Artikeln Für mehr Methoden in der Schule und Was bedeutet methodisches Vorgehen? in Bezug auf den Schulunterricht vorgestellt.

Bildung und Erziehung haben bewusst zu machen, dass wir in einer medial geprägten Welt leben. Nicht selten sind Denkmuster medial induziert, was deshalb problematisch ist, dass damit oft wirtschaftliche Zwecke verbunden sind, deren Intention nicht unbedingt darin besteht, durch rein ökonomisches Denken verursachte Probleme zu lösen.
Bildung aber hat sich von Einzelzwecken zu emanzipieren, weshalb auch kritisch darüber gesprochen werden sollte, inwieweit der Vormarsch von Unternehmen in die Schulen hinein toleriert werden darf.

Zur Bildung von Subjektivität gehört es auch, auf das Andere zu verweisen. Erst durch das Andere kann das Individuelle überhaupt erst existieren – und vice versa. Es kommt der Deutung des Fremden eine wichtige Funktion in der globalisierten Welt zu. Das Fremde nicht als bedrohlich zu empfinden, sondern als anderes Eigenständiges und Bereicherndes ist daher die Maxime der interkulturellen Bildung.

D. Ethik
Nicht zuletzt hat Bildung die Aufgabe, Weltorientierung zu eröffnen und ein ethisches Bewusstsein zu fördern. Dazu bedarf es der Fähigkeiten, exakt zu argumentieren (Diskurskompetenz), wertschätzend zu kommunizieren und situativ angemessen zu handeln.
WERTSCHÄTZENDE KOMM
Wertschätzende Kommunikation meint dabei im weitesten Sinne, dass eigenständig denkende und urteilende Individuen zusammen und gleichberechtigt in Diskursen aktuelle Sachverhalte analysieren und erörtern, konstruktiv an Lösungen für darin angesprochene Probleme arbeiten und auf Grundlage eines ethisch-sozialen Bewusstseins proaktiv handeln. Kommt das alles zusammen, dann hat Erziehung auf die Bedingungen der globalisierten Welt eine praktikable Antwort geliefert, die dazu befähigt, aktiv in den jeweiligen Umwelten selbstbestimmt, mitbestimmend und sozial kompetent zu agieren.

Zusammenfassung: Bildung und Globalisierung

Bildung und Globalisierung sind eng zusammen gerückt. Was heute in Erziehungszielen zunehmend auftaucht, ist der Hinweis auf interkulturelle Kompetenz. Es werden darin unterschiedliche Auffassung dessen, was Bildung zu leisten habe, untersucht und miteinander verglichen.
Das habe ich etwa getan, indem ich bewusst die Artikel Schule in Tansania und Wie demokratisch ist Unterricht? nebeneinander stelle, so dass die Leser unmittelbar erfahren können, dass gegenwärtige Bildung im deutschsprachigen Raum rechtlich auf sicherem Fuße steht, während anderswo Menschen zu kuschen haben, um in einem strengen System nicht auf- bzw. auszufallen.

Bildung und Globalisierung bilden zwei Systeme, von denen das eine auf eine lange Tradition zurückblicken und aus dieser her oft Sinnstiftung erfahren hat einerseits, und andererseits auf eine hochkomplexe Dynamik, die innerhalb von nur ein paar Jahrzehnten das soziale Zusammenleben revolutioniert hat. Beide Systeme so zusammen ineinander zu integrieren, dass keines von ihnen zerstört wird durch den Wegfall des anderen – das ist die gegenwärtig drängende Aufgabe derer, die in solchen Sphären zu denken und zu diskursieren in der Sprache der wertschätzenden Kommunikation befähigt sind, das miteinander zu sprechen als den Weg zum Ziel begreifen und darüber hinaus mit der Theorie des kommunikativen Handelns deutliche Zeiten setzen, welche Konflikte in der Tiefenstruktur noch zu lösen sind.

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Gudjons, H. (2012): Pädagogische Grundlagen.
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Jan-Benedikt Kersting

Jan-Benedikt Kersting

Freiberuflicher Bildungscoach bei Creactivity-Solutions
Freiberufliche Tätigkeiten erfordern ein Höchstmaß an Flexibilität und Kreativität. Kombiniert mit fachlicher Kompetenz und Organisationsfähigkeit kann ich auch ihr Projekt ins Internet bringen. Oder sind Sie an Sprachkursen in Englisch und Deutsch interessiert? Dann kontaktieren Sie mich bitte über die Emailadresse: kontakt@bildungsadler.de
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